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Auftaktveranstaltung

Auf kurzen Wegen zur Lebensqualität

LEADER-Projekt in Lenzkircher Kurhaus gestartet / Bürger solle ihre Vorstellungen und ihr Engagement einbringen

Ein Bericht der Badischen Zeitung vom 04.03.2010
von: Ralf Morys

Foto: Privat

LENZKIRCH. Der Start ins Leader-Projekt "Lebensqualität durch Nähe", die Beteiligung daran beschloss der Gemeinderat bereits im Oktober 2008, ist gelungen. Die Impuls-Veranstaltung am Samstag im Kurhaus Lenzkirch wertet Bürgermeister Reinhard Feser als einen sehr guten Erfolg. Hatten sich nur 20 Teilnehmer aus den zehn beteiligten Gemeinden in Baden-Württemberg angemeldet, so fanden sich doch 40 Teilnehmer im Kursaal ein, die über Modelle zur Sicherung der Grundversorgung in kleinen Gemeinden diskutierten. 

Die als eintägig geplante Impuls-Veranstaltung "Lebensqualität durch Nähe" der Leader Aktionsgruppe Südschwarzwald, eröffneten Gastgeber Bürgermeister Reinhard Feser sowie Projektleiter Alexander Hölsch. Das Projekt soll dazu beitragen, dass die Lebensqualität in kleinen Gemeinden und dünn besiedelten Regionen zumindest erhalten, und wo möglich, auch verbessert werden kann. Es gilt Wege zu finden, wie Geschäfte, Handel- und Dienstleistungen im Ort erhalten und vielleicht auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Das Projekt läuft über zwei Jahre und die Kosten summieren sich auf rund 30 000 Euro. Es wird von der EU aus dem Leder-Programm für den strukturschwachen Raum bezuschusst.

Ingrid Engelhart von SPES-Zukunftsmodelle erläutert die Zielsetzung (Foto: Privat)

Konzeptionell der Abwanderung entgegentreten

Die Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung von Strukturen, kurz SPES genannt, was im Lateinischen auch Hoffnung heißt, ist mit der Umsetzung des Projektes befasst. SPES-Geschäftsführerin Ingrid Engelhart erläuterte den Vertretern aus den zehn Mitgliedsgemeinden die Zielsetzung des Projektes. Dem Ausbluten des ländlichen Raumes soll konzeptionell entgegengewirkt werden. Das Konzept dazu steht auf drei Grundsäulen: Sache: hier geht es um die materielle Grundversorgung; Beziehung: Familien, Freunde und Zusammenhalt; Sinn: Kunst, Kultur, Religion. Auf diesen drei Säulen soll ein neu zu schaffendes Wir-Gefühl ruhen, mit Hilfe dessen man die infrastrukturellen Einrichtungen in den kleinen Orten erhalten möchte.

Die Lebensqualität in kleinen Gemeinden setzt sich zusammen, wenn es noch Gaststätten, Banken, postalischen Leistungen, ein reges Vereinsleben, Läden, Schulen und Kindergärten sowie soziale Einrichtungen gibt. Mit dem Projekt sollen die Bürger sensibilisiert werden, dass sie selbst an der Lebensqualität in ihrem Ort mitarbeiten können, in dem sie vor Ort einkaufen, die Vereine beleben und den Ort mitgestalten, betonte Engelhart.

"Am gemeinsamen Gestalten unserer Zukunft geht kein Weg vorbei", meinte Karl Sieghartsleitner, Alt-Bürgermeister von Steinbach an der Steyr in Oberösterreich, in einem kurzweiligen Vortrag. In Österreich befassen sich schon lange Konzepte damit, wie der ländliche Raum gestärkt und als attraktiver Wohnort erhalten werden kann. Sieghartsleitner verwies, dass man gemeinsam einiges erreichen könne und appellierte daran, immer positiv zu denken. So erreiche man seine Ziele. Gemeinderat und Bürgermeister könnten nicht alles alleine tun. Die Bürger sollten sich und ihre Ideen einbringen und die Kommunalpolitik sollte diese Leute dann auch mit auf den weiteren Weg nehmen. In Steyr habe es einen großen Betrieb gegeben, der Messer produzierte, "wir waren das Solingen von Österreiche", so Sieghartsleitner. Doch die Firma musste Insolvenz anmelden und Arbeitsplätze gingen verloren. Dennoch habe die Kommune die Kurve bekommen, die leeren Gebäude wieder einer Nutzung zugeführt. Mit "treue Erklärungen" der Bürger blieben die Ladengeschäfte erhalten.

In drei Foren die Zukunftsideen diskutiert

Lenzkirch war durch Bürgermeiser Feser, die Ortsvorsteher Christa Winterhalder (Kappel), Walter Sigwarth (Saig), vertreten. Florian Wohllaib repräsentierte Raitenbuch und auch mehrere Gemeinde- und Ortschaftsräte nahmen teil. In drei Foren ging es dann an die kreative Umsetzung. Das Forum eins befasste sich mit dem demographischen Wandel als Chance. Tagesbetreuung, Pflegewohngruppen und Hilfe von Haus zu Haus sind drei innovative Modelle, die ein Altwerden in vertrauter Umgebung ermöglichen und gleichzeitig Arbeismöglichkeiten in der Gemeinde schaffen, meinte Maria Hensler, Initiatorin von "Hilfe von Haus zu Haus" in Baden-Württemberg. Im Forum zwei ging es um "Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung" hier erklärte Ingrid Engelhart ein Modell zur Sicherung der Grundversorgung. Im Forum drei ging es um bürgerschaftliches Engagement als Grundpfeiler einer nachhaltigen Energieversorgung. Rainer Schüle, Geschäftsführer der Energieagentur Regio, zeigte Umsetzungsschritte und Unterstützungsmöglichkeiten auf.

Für Bürgermeister Reinhard Feser lautet eine Erkenntnis, dass die Veranstaltung die Teilnehmer motiviert hat, sich im Projekt "Lebensqualität durch Nähe" zu engagieren. Auch in den Ortsteilen, sowohl in Kappel wie auch in Saig gibt es noch eine nahgelegene Einkaufsmöglichkeit auf kurzem Weg. Aber auch im Kernort gilt es das Angebot zu nutzen. Dieses Bewusstsein müsse künftig gestärkt werden, auch bereits in Kindergarten, Schulen und in den Familien.


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